02.01.2012 // Fachartikel

Tiefseeforschung: Druckneutrales Tauchfahrzeug

Voll Wasser tiefer tauchen

Das autonome Tauchfahrzeug DNS Pegel, dessen äußere Form sich im Nachfolgeprojekt noch stärker an der eines Pinguins orientiert Bild: TU Berlin
Das autonome Tauchfahrzeug DNS Pegel, dessen äußere Form sich im Nachfolgeprojekt noch stärker an der eines Pinguins orientiert Bild: TU Berlin

Forscher der TU Berlin haben ein geflutetes Tauchfahrzeug für 6000 Meter Wassertiefe entwickelt.

Die Umweltkatastrophe um die Havarie der Ölplattform „ Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko demonstrierte der Weltöffentlichkeit im vergangenen Jahr schmerzlich: Der Einsatz von Technik in der Tiefsee ist mit erheblichen Risiken behaftet. Um diesen zu begegnen, rücken so genannte „Autonomous Underwater Vehicles" (AUV) in den Fokus, an deren Entwicklung sich auch Forscher der TU Berlin beteiligen.

Das Interesse an der Tiefsee steigt, und zwar nicht nur wegen der Rohstoffe. Beim „Census of Marine Life", liebevoll „ Volkszählung der Ozeane" genannt, wurden kürzlich mehrere Tausend neuer Spezies in den dunklen, immer noch weitgehend unerforschten Tiefen der Ozeane entdeckt. Weitgehend unerforscht, da ein Fahrzeug, das dorthin gelangen will, dem hohen Wasserdruck, der Kälte und dem korrosiven Seewasser widerstehen muss.

Bisher können nur sehr wenige AUVs in Tiefen von mehreren Tausend Metern vordringen. Das TU-Fachgebiet Mikrotechnik entwickelte unter Leitung von Prof. Dr. Heinz Lehr zwischen 2006 und 2009 in einem Verbundprojekt des Bundeswirtschaftsministeriums das AUV „DNS Pegel", das erstmalig konsequent mit druckneutraler Technik gebaut wurde. Im Gegensatz zum gebräuchlichen, sehr aufwendigen und teuren Bau mit Druckhüllen wird hier der Innenraum des Fahrzeugs komplett geflutet und alle Komponenten unterliegen dem Wasserdruck. Drucktests in der Ostsee mit mehr als 600 bar und Testfahrten überzeugten auch das BMWi von dem neuen Konzept, und es bewilligte ein Nachfolgeprojekt: „Druckneutrale Systeme für die Tiefsee".

„Die Form unseres neuen AUV ist dem Körper der Pinguine nachgebildet. Schon bei der Jungfernfahrt zeigte sich, dass dieses AUV im Vergleich zur DNS Pegel noch wesentlich wendiger ist", ezählt Professor Heinz Lehr. Die Technik muss noch ihre Leistungsfähigkeit im Atlantik vor der afrikanischen Westküste in 6000 m Wassertiefe unter Beweis stellen. Die ersten Tauchgänge von Bord des Forschungsschiffs „FS Poseidon" aus fanden bereits im Herbst 2010 statt. Belohnung für die Forscher: aufregende Videofilme vom Meeresgrund.

· Weitere Informationen: www.tu-berlin.de/?id=112124


Mehr Wissen

  

Hier stellen wir Ihnen ausgewählte Artikel aus dem bdw-Online-Shop vor.

Motto: Mehr Wissen schadet nie!