19.12.2011 // Fachartikel

Entwicklungshilfe: Universität Hohenheim entwickelt Biogasrucksack

Energie im Rücken

Energieträgerin: Dorfbewohnerin mit Biogasrucksack Bild: Universität Hohenheim
Energieträgerin: Dorfbewohnerin mit Biogasrucksack Bild: Universität Hohenheim

Projekt „Biogas as Business": leicht, günstig und auf dem Rücken transportierbar. So soll sich künftig der Tagesbedarf an Energie für einen Haushalt in Entwicklungsländern präsentieren. Gleichzeitig soll das Projekt die Kleinbauern für die Idee der erneuerbaren Energien gewinnen.

Gerade einmal drei bis vier Kilogramm wiegt der neu entwickelte Biogasrucksack. Er ist die mutmaßliche Lösung für eines der drängendsten Umwelt- und Energieprobleme der Kleinbauern in Äthiopien, denn damit könnte ein Kleinbauer seinen Tagesbedarf an Energie von einer zentralen Biogasanlage nach Hause tragen.

Bislang deckte der Großteil der bäuerlichen Bevölkerung Äthiopiens seinen Energiebedarf aus den Waldbeständen des Landes. Doch inzwischen ist Holz knapp und in einigen Regionen dementsprechend teuer geworden. Holz hat außerdem noch einen anderen gravierenden Nachteil: Es ist schwer und sein Transport deshalb mühsam und zeitraubend. Zum Kochen und Beleuchten brauchen äthiopische Kleinbauernfamilien bisher pro Tag bis zu 30 bis 40 kg Holz. Den Tagesbedarf fasst nun der zehnmal leichtere Biogasrucksack, in dem ein Kubikmeter Biogas Platz hat.

Der Biogasrucksack lässt sich an einer zentralen Anlage in 9 bis 16 min befüllen. Um das Gas zu Hause zu nutzen, bedarf es nur weniger simpler Handgriffe: Der Biogasrucksack wird aus Sicherheitsgründen vor dem Haus aufbewahrt und über einen Schlauch mit der Lampe oder dem Kocher verbunden. Es muss also nur ein Loch für den Schlauch in die Außenwand des Hauses gebohrt werden. Danach wird der Rucksack mit Brettern oder Steinen beschwert und das Gas bei Bedarf aus dem Sack gedrückt.

Tatsächlich ist der Biogasrucksack jedoch nur ein kleiner, wenn auch wesentlicher Bestandteil einer Gesamtstrategie, um Biogas als alternative Energiequelle auch für Kleinbauern nutzbar zu machen. „Biogas as Business" heißt das Konzept der Agrartechnikerin Katrin Pütz von der Universität Hohenheim, das bei Entwicklungshilfeorganisationen, NGOs und sogar beim Ministerium für Energie und Wasser in Äthiopien auf großes Interesse stößt.


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