Das Projekt „Switch
Der österreichische Optomechatronik-Spezialist Wild geht bei der Aus- und Weiterbildung seiner Medizintechnik-Mitarbeiter gern neue Wege – und hat sich damit als gefragter Arbeitgeber abseits der Ballungsgebiete etabliert.
Das Projekt „Switch", das von Wild unterstützt wird, hilft Frauen beim Spurwechsel in die Technik
Personalentwicklung: Eigenes Personal zu Fach- und Führungskräften aufbauen

Keine Angst vor Technik

In sein motiviertes und engagiertes Mitarbeiterteam investiert das Unternehmen seit vielen Jahren Zeit und Geld Bilder: Wild
In sein motiviertes und engagiertes Mitarbeiterteam investiert das Unternehmen seit vielen Jahren Zeit und Geld Bilder: Wild

Wenn jemand trotz einer Amputation wieder laufen, Rad fahren oder einfach an normalen Alltagsaktivitäten teilhaben kann und damit ein enormes Stück Lebensqualität wiedererlangt, dann hat auch Manuela Prieler dazu beigetragen. Sie arbeitet seit 2008 bei der Wild GmbH in Völkermarkt/Kärnten und hat in dieser Zeit im Geschäftsbereich Medizintechnik bei der Produktion zahlreicher Vorzeigeprodukte mitgewirkt. Die Mechatronikerin ist eine von bisher fünf Frauen beim Optomechatronik-Spezialisten Wild, die aufgrund eines speziellen Schulungsprogramms namens „Switch" den Weg in diesen technischen Beruf fand.

Bereits seit 2008 unterstützt das österreichische Unternehmen dieses Projekt des Arbeitsmarktservice (AMS), im Rahmen dessen Frauen eine technische Basisqualifizierung oder technische Grundschulung erhalten. Die Kurse sind in unterschiedlichsten Bereichen angesiedelt und reichen unter anderem von praktischer Einführung in die Metall- und Elektrotechnik über EDV- und Maschinengrundlagen bis hin zur CNC-Grundausbildung. Direkt im Anschluss daran kann eine Lehre zur Mechatronikerin folgen. „Wir sehen die Qualifizierung von Frauen in technischen Berufen als wesentlichen Erfolgsfaktor", so Carmen Gruber, Human Ressource Managerin bei Wild. „Switch ist für uns eines von vielen Puzzleteilen, mit denen wir dem Facharbeitermangel, der in der Medizintechnik herrscht, entgegensteuern." Trotz der guten Zukunftsperspektiven haben viele Frauen immer noch Scheu vor der typischen Männerdomäne Technik. Das Projekt soll helfen, diese Hemmschwelle zu überwinden und gibt Frauen Hilfestellungen beim Ein- und Umstieg in den neuen Beruf. „Ein entscheidender Erfolgsfaktor des Projekts ist die Einbeziehung der Unternehmen in die Planung und Umsetzung der technischen Basisausbildung", erklärt Gruber.

Doch gerade in der Medizintechnik, wo die technische Entwicklung rasant voranschreitet und die Innovationskraft eines Unternehmens entscheidend ist, sind laufende Schulungen und Weiterbildungen Pflicht. „Wir setzen auf die Fähigkeiten unserer bestehenden Mitarbeiter und ermöglichen ihnen eine kontinuierliche Weiterbildung", erläutert die Personalmanagerin. Diese reicht von Qualitätsschulungen über Fortbildungen nach Medizintechnikrichtlinien bis hin zu Gemba-Trainings.

Von Beschäftigungsbeginn an werden für Mitarbeiter solche Qualifizierungsmaßnahmen angeboten. So erhalten bereits Lehrlinge Zusatzausbildungen wie Englischkurse oder Schulungen im Bereich Business-Etikette. „Es ist also kein Zufall, dass es ein ehemaliger Lehrling zum Teamleiter Medizintechnik und in Folge sogar zum Assistenten der Geschäftsführung geschafft hat", betont Carmen Gruber.

Die eigenen Leute gut auszubilden, hat sich längst bewährt. Denn obwohl Unternehmen aus der Medizintechnik zu den gefragten Arbeitgebern zählen, ist es gerade für Betriebe wie Wild, die abseits der großen Ballungszentren beheimatet sind, nicht immer leicht, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Dabei ist Fachwissen und Qualifikation erst die halbe Miete. Was ein wirklich erfolgreiches Unternehmen ausmacht, ist die entsprechende Motivation des gesamten Teams. Dafür habe man in den letzten Jahren viel Zeit und Geld investiert, erklärt Geschäftsführer Thomas Jost.

Die Reform der internen Strukturen hat bei Wild vor rund zehn Jahren einen Kulturwandel im Unternehmen herbeigeführt. Mitarbeiter erhielten mehr Kompetenzen und damit mehr Eigenverantwortung. Im Gegenzug wurden Erfolgsbeteiligungen sowie ein Modell zur Arbeitszeitflexibilisierung eingeführt. Die Motivation der Mitarbeiter habe sich nachhaltig auf die Stimmung im Unternehmen niedergeschlagen, so Geschäftsführer Jost.

Des weiteren wurde ein Mentoring-Projekt zur besseren Integration von Menschen mit Behinderung gestartet, das Kommunikationsschwierigkeiten und Berührungsängste im Unternehmen abbauen soll. Bisher wurden drei Mitarbeiter im Rahmen des einjährigen Projektes „mentoring@work" speziell gefördert. Jedem Mitarbeiter stand dabei ein eigener, unternehmensinterner Mentor zur Seite.

· Andrea Patterer, Sabine Salcher Wild, Völkermarkt/Österreich

Weitere Informationen: www.wild.at , www.ams.at

03.06.2011


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