Mangelnde Fairness und allgegenwärtiger Druck
Burnout fällt nicht vom Himmel
Der Deutsche Knigge-Rat bemängelt mangelnde Fairness im Arbeitsleben und klagt allgegenwärtigen Druck an. Unternehmensverantwortliche müssen das Burnout-Syndrom ernst nehmen, um das Betriebsklima nicht zu gefährden.
Der Deutsche Knigge-Rat hat Arbeitgeber wie Arbeitnehmer dazu aufgefordert, das Burnout-Syndrom ernst zu nehmen. Bereits der faire Umgang miteinander könne dieser psychischen Erkrankung entgegenwirken. Immerhin fühle sich jeder neunte Berufstätige ausgebrannt. Allein unter Klinikärzten leiden sogar 20 Prozent unter Burnout. Hoch sei demnach auch der Leidensdruck unter Lehrern und Beschäftigten in sozialen Berufen.
Bei den Ursachen des Burnouts gerät zunehmend auch der Stressfaktor „Chef" in den Fokus. Studien belegen, dass Führungskräfte den Krankenstand ihrer Abteilungen mitnehmen. Laut Spiegel hat Volkswagen bereits vor Jahren in seinen Werken probeweise Vorgesetzte aus Bereichen mit überdurchschnittlich hohen Krankheitsraten in solche mit besonders niedrigen Fehlzeiten versetzt. Mit dem Ergebnis, dass schon nach kurzer Zeit die Fehlzeiten in den ehemals vorbildlichen Abteilungen nach oben schossen. Bereits nach einem Jahr hatten die neuen Chefs wieder ihren alten Krankenstand erreicht.
„Auch wenn selbst Führungskräfte vom Burnout-Syndrom nicht verschont bleiben, so können Vorgesetzte und Personalverantwortliche sehr viel tun, die Ausbreitung dieser neuen Volkskrankheit einzudämmen, wenn nicht gar zu verhindern", gibt Dr. Norbert Copray, Mitglied des Deutschen Knigge-Rats und Direktor der Fairness-Stiftung, zu bedenken. Stattdessen seien Maßnahmen zur Vorsorge in Firmen selten. „Arbeitslast und Stress steigen weiter an."
Burnout sei ein schleichender Entwicklungsprozess. Daher sollten schon erste Anzeichen einer Verschlechterung des Betriebsklimas ernst genommen werden. „Burnout fällt nicht einfach vom Himmel, Burnout kündigt sich an, entweder durch Rückzug aus der Kommunikation oder giftige Kommunikation", so Copray weiter. Vor allem aber gelte: „Wo destruktiv und unfair gegeneinander umgegangen wird, wird zuerst das soziale Klima zerfressen, dann der Mensch selbst zermürbt." Hilflos sei der Betroffene dann „einer Skrupellosigkeit ausgesetzt, die mit dem Ausbrennen von Menschen spielt".
Copray sieht im Stress, der nicht mehr zu bewältigen ist, eine der Hauptursachen für unfaires und barsches Verhalten in der Arbeitswelt. „Wenn Druck und Stress, das Gefühl des Verheiztwerdens überhand nehmen, sucht sich diese Überlastung ein Ventil." Dies sei oft der anfänglich unhöfliche Umgang miteinander und schließlich die Unfairness gegeneinander.
Übermäßiger Erfolgszwang, Leistungs- und Zeitdruck zerstörten den psychosozialen Zusammenhalt einer Gemeinschaft. Psychische Gesundheit im Arbeitsleben sollte am Führungsstil und der Kompetenz im Umgang mit Stress ansetzen. „Die Wertschätzung des anderen ist ein wirksames Mittel gegen Burnout und für Fairness am Arbeitsplatz." Dazu zählt nach Meinung von Copray, dass ein Burnout-Leidender angstfrei das Gespräch mit seinem Vorgesetzten suchen kann. „Denn die Rahmenbedingungen des Arbeitsplatzes beeinflussen Entstehen und Verlauf dieses Krankheitsbildes entscheidend."
Führungspersonen sollten dem Gesprächsverlangen Burnout-Betroffener offen gegenüber stehen „und es nicht als Nörgelei abtun". Wer gut zuhört, werde viel darüber erfahren, was im Unternehmen strukturell vermeidbaren Stress verursacht und das Betriebsklima vergiftet. „Demotivierte Mitarbeiter, die trotz hoher Leistungsbereitschaft und Identifikation mit dem Unternehmen keine Anerkennung mehr finden, und ein Klima des Hauen und Stechens können eine bislang gut laufende Firma an den Rand des Ruins bringen", warnt Knigge-Rat-Mitglied Copray alle Unternehmensverantwortlichen. (Foto: © ArTo – Fotolia.com) cm


