Weltraumexperiment: „Mars 500" testete auch Fitnessgerät für Weltraumreisende
Muskeln für den Mars
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- Verschiedene Trainingsübungen sind mit dem Gerät möglich Bild: TU Wien
Das Experiment „Mars 500" ging zu Ende: Simuliert wurde die Isolation von Weltraumreisenden bei einer Marsmission. Ein Trainings- und Diagnosegerät der TU Wien war mit dabei – und könnte in Zukunft auch im Weltraum benützt werden.
Das Mars-500-Team hat eine mühsame Zeit hinter sich: Die 6 Freiwilligen haben bei dem Experiment ganze 520 Tage in ihrem Test-Modul in Moskau verbracht. Psychischer Druck und soziale Spannungen unter solchen Bedingungen sind ernste Gefahren für lange Weltraumreisen. Daher testet man schon auf der Erde, wie sich Isolation und Eintönigkeit auf unterschiedliche Personen auswirken.
Ein wichtiger Teil des Tagesablaufs ist ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm. An der TU Wien wurde daher – in Kooperation mit SportwissenschaftlerInnen der Universität Wien und Biomedizinern aus Moskau – ein Trainingsgerät entwickelt, das beim Mars-500-Experiment ausführlich getestet wurde.
„Trainingsgeräte für Weltraumaufenthalte gibt es schon lange, doch die bisher verfügbaren Geräte können Muskel- und Knochenschwund nicht vollständig aufhalten", erklärt Prof. Thomas Angeli vom Institut für Konstruktionswissenschaften und Technische Logistik der TU Wien. Nach dem aktuellen Stand der Sportwissenschaft und aufgrund von Erfahrungen aus bisherigen Projekten wurde daher nun ein neues Gerät entwickelt. Es soll beim Training ausreichend hohe Reize setzen, um dem Abbau von Muskeln und Knochen in der Schwerelosigkeit erfolgreich entgegenzuwirken. Möglich ist das durch einen kleinen Elektromotor. Denn Kräfte einfach über Gegengewichte aufzubringen, wie das bei den meisten Fitness-Geräten üblich ist, wäre in der Schwerelosigkeit unmöglich.
Mit unterschiedlichen Übungen können verschiedene Muskelpartien trainiert werden. „Unser Krafttraining soll möglichst effizient und zeitsparend sein – schließlich ist die Zeit von Weltraumreisenden wertvoll", meint Roman Talla von der TU Wien. Das Gerät wird nicht nur zum Training, sondern auch zur Diagnose eingesetzt: Mit unterschiedlichen Messungen kann der Zustand und der Kraftverlauf bestimmter Muskelgruppen beobachtet werden.
Ob das Gerät tatsächlich demnächst im Weltraum verwendet werden wird, steht noch nicht fest. „Wir würden uns natürlich wünschen, dass unsere Entwicklung auch der Besatzung der Raumstation ISS zugute kommt ", meint Thomas Angeli, „doch die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen." In jedem Fall können ähnliche Geräte aber für Reha-Patienten Vorteile bringen: Wer lange Zeit im Bett verbringen muss, leidet ebenfalls unter Muskel- und Knochenschwund – Komapatienten noch drastischer als Weltraumreisende im All.
· Weitere Informationen: www.tuwien.ac.at/aktuelles/news_detail/article/7244/


