19.09.2011 // Fachartikel

3D-Fernsehen: Bald ohne 3D-Brillen möglich

Glotzen ohne Gläser

Ein Forscher richtet das Vier-Kamera-Assistenzsystem ein Bild: KUK Filmproduktion
Ein Forscher richtet das Vier-Kamera-Assistenzsystem ein Bild: KUK Filmproduktion

Die Grenzen zwischen Film und Zuschauer verschwimmen: Forscher optimieren Technik, die 3D-Fernsehen ohne technische Hilfsmittel wie 3D-Brillen ermöglicht. Mit einem neuen Vier-Kamera-System sollen sogar Live-Übertragungen gelingen.

Seit „Avatar" boomt die 3D-Kino-Produktion. Beim „Puschenkino" wollen bisher jedoch nur wenige eine 3D-Brille auf der Nase haben. „Einen Durchbruch für 3D-Fernsehen im Wohnzimmer wird es nur geben, wenn das Ganze auch ohne Brille funktioniert. Die ist auf Dauer einfach zu unbequem und lästig", ist sich Frederik Zilly vom Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut HHI in Berlin sicher. Forscher am HHI arbeiten daher gemeinsam mit zwölf Partnern im Projekt Muscade an Technologien, die 3D-TV ohne Hilfsmittel ermöglichen sollen.

Dazu werden so genannte autostereoskopische Displays benötigt, die mit speziellen optischen Folien beschichtet sind. Sie erzeugen für das linke und rechte Auge zwei verschiedene Bilder – das Grundprinzip räumlichen Sehens. Damit das aus unterschiedlichen Positionen funktioniert, zum Beispiel, wenn der Zuschauer seinen Kopf bewegt, verwenden diese Displays meist fünf bis zehn verschiedene Ansichten einer Aufnahme. Zukünftig wird diese Anzahl noch deutlich höher liegen. Da klassische Stereoproduktionen jedoch mit nur zwei Ansichten arbeiten, müssen die Aufnahmen vor der Wiedergabe umgewandelt werden. Dabei wird die Tiefeninformation aus den aufgenommenen Bildern extrahiert. Um diese Tiefeninformationen zuverlässig ermitteln zu können, empfiehlt es sich, mit mehr als den üblichen zwei Kameras aufzunehmen. Die Muscade-Projektpartner arbeiten daher mit vier Kameras. Das Problem: Die ohnehin komplexe Stereoproduktion wird dann extrem aufwändig und teuer. „Vier Kameras zueinander zu kalibrieren kann Tage dauern", erklärt Zilly.

Zusammen mit seinen Kollegen arbeitet der Forscher daher an einem neuartigen Vier-Kamera-Assistenzsystem, mit dem sich diese Zeitspanne auf etwa 30 bis 60 min verkürzen lässt. „Allerdings ist die Kalibrierung bei vier Kameras wesentlich komplizierter", so Zilly. Die Wissenschaftler entwickelt deshalb einen „feature detector", der gleiche Objekte im Bild bei allen Kameras erkennt. Anhand deren Position richtet er dann die einzelnen Kameras zueinander aus. Da selbst nach dem Kalibrieren oft noch kleine Ungenauigkeiten vorhanden sind, werden diese etwa mit Hilfe eines digitalen Zooms ausgeglichen. Diese letzte Korrekturstufe führt das neue Assistenzsystem in Echtzeit aus – dadurch werden sogar Live-Übertragungen möglich.

· Weitere Informationen: www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010–3 2011/21/3d-fernsehen.jsp


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