Nerven und Computer: Modell erklärt die Wahl einfacher Bewegungen
Schwerer Kopf, aber klarer Blick
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- Gewichte am Ende der Stange beeinflussen das bei der Kopfbewegung. Ein mathematisches Modell sagt vorher, wie sich Blickbewegungen in dieser Situation ändern Bild: Nadine Lehnen, LMU München
Einfache Tätigkeiten führen wir immer gleich aus. Weshalb, erklärt jetzt ein mathematisches Modell. Diese Erkenntnis könnte dazu dienen, Roboterbewegungen natürlicher zu gestalten und Prothesen besser an menschliche Bewegung anzupassen.
Mit dem täglichen Handgriff zur Computermaus ist es genauso wie mit dem Blick in den Rückspiegel: Immer gleiche, stereotype Bewegungen erleichtern dem Gehirn die Konzentration auf das Wesentliche. Doch allein die Blickbewegung zu einem neuen Ziel enthält eine schier unendliche Zahl an Bewegungskombinationen: Wie schnell bewegen sich Kopf und Auge? Wie weit soll sich das Auge bewegen, wie weit der Kopf? Weshalb das Gehirn aus der Menge aller möglichen Bewegungsmuster ein ganz bestimmtes bevorzugt, war bislang unklar. Ein Team um Dr. Stefan Glasauer (LMU), Projektleiter am Bernstein Zentrum München, hat nun ein mathematisches Modell entwickelt, mit dem sich horizontale Blickbewegungen genau vorhersagen lassen. Neben dem jeweiligen Anteil von Auge und Kopf an der Bewegung können die Forscher auch deren Dauer und Beschleunigung vorhersagen.
Die Forscher berücksichtigten – anders als die meisten früheren Modelle – die Bewegung von Augen und Kopf zum Blickziel sowie die Gegenbewegung der Augen, sobald der Blick das Ziel erreicht hat, der Kopf sich aber noch dreht. „Je länger die Bewegung dauert, desto mehr summieren sich kleine Störungen auf", erklärt Glasauer. „Je schneller aber die Bewegung ist, desto mehr Fehler entstehen durch Beschleunigung und große Muskelkräfte."
Auf Grundlage dieser Informationen berechneten die Münchner Forscher Augen- und Kopfbewegungen und ermittelten dann die Kombination, die zu den geringsten Störungen führt. Diese Bewegung stimmte mit der überein, die Probanden im Experiment nicht nur unter natürlichen Bedingungen wählten, sondern auch, wenn die Kopfbewegung durch ein künstlich erhöhtes Trägheitsmoment verändert wurde. Dies wurde mit Hilfe eines Helmes erzeugt, an dem Gewichte angebracht waren.
Die so gewonnenen Erkenntnisse könnten helfen, Robotern möglichst menschenähnliche Vorgehensweisen beizubringen und dadurch in Zukunft auch die Zusammenarbeit mit Service-Robotern zu erleichtern. Auch für die Konstruktion „intelligenter" Prothesen ist die Studie möglicherweise hilfreich. Die Prothese könnte dem Träger die Bewegungsmöglichkeiten anbieten, die den menschlichen am nächsten kommen. Im nächsten Schritt möchten Glasauer und Kollegen dreidimensionale Augen-Kopf-Bewegungen untersuchen und das Erlernen und Anpassen einfacher Bewegungen besser verstehen.
· Weitere Informationen: Mehr aus der Forschung im Nationalen Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience www.nncn.de


